Alaska, Fairbanks, Fliegen, USA
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Alaska – Ein Paradies für Luftfahrt-Enthusiasten (Teil 1: Fairbanks)

DC6 (N444CE) "Spirit of America" auf der Rampe von Everts Air
DC6 (N444CE) "Spirit of America" auf der Rampe von Everts Air

Es gibt Regionen auf dieser Welt, in denen ist Fliegen so selbstverständlich, wie bei uns Autofahren. Alaska ist eine dieser Regionen. Einige Gegenden in Alaska sind nur per Schiff im – recht kurzen – Sommer erreichbar. Manche Orte noch nicht einmal das. Da das Straßennetz im nördlichsten US-Bundesstaat sowieso recht mager ausgebaut ist, bleibt nur noch ein Verkehrsmittel übrig: Das Flugzeug.

Eine Cessna 185 (Reg. N185TB) beim Start in Fairbanks auf Runway "SKI 2"

Eine Cessna 185 (Reg. N185TB) beim Start in Fairbanks auf Runway „SKI 2“

Und während bei uns in Europa die Privatfliegerei nur eine unbedeutende Rolle spielt, sieht das am Polarkreis gänzlich anders aus. Im Sommer steht das Flugzeug auf Schwimmern, so dass auf den reichlich vorhandenen Seen gestartet und gelandet werden kann. Im Winter wird das Flugzeug auf Skier umgerüstet. Und all diejenigen Piloten, die ihr Flugzeug nicht auf „Floats“ (also Schwimmer) stellen möchten, rüsten ihre Flugzeuge mit „Tundra Tires“ aus. Mit diesen dicken Ballonreifen kann man noch auf jeder Schotterpiste, zur Not auch auf einer Kiesbank im Fluss, landen.

Denn Alaska ist groß. Sehr groß. Und nur wenige Flugplätze in Alaska verfügen überhaupt über eine befestige Piste. Der Rest: Schotter! Das sind nicht nur für die Privatpiloten gänzlich andere Vorraussetzungen als in Europa. Auch die kommerzielle Luftfahrt hat sich an die besonderen Verhältnisse im Norden angepasst. Und so bekommen AvGeeks („Aviation Geeks“ – also Luftfahrtenthusiasten) mitunter kaum den Mund zu. Entweder vor Erstaunen oder wegen dem Dauergrinsen, dass sich ob der Typenvielfalt und Raritäten schnell einstellt.

Ich möchte Euch daher gerne auf meine aviatische Entdeckungsreise mitnehmen. Eine Menge interessanter Dinge und überraschender Fakten konnte ich erfahren.

Beginnen möchte ich in Fairbanks. Dort habe ich mich einen Nachmittag und tags darauf noch weitere zwei Stunden am Flughafen herum getrieben. Dort konnte ich diesen total zugewachsenen Rumpf einer Curtiss C-46 Commando auf einem Schrottplatz entdecken.

Eingewachsene Curtiss C-46 Commando

Eingewachsene Curtiss C-46 Commando

Nur einen Steinwurf entfernt gab es eine Flotte ausgedienter Klassiker entdecken. Unzählige Douglas DC-6, Curtiss Commando und sogar eine Fairchild C-119 stehen dort auf dem firmeneigenen Boneyard von Everts Air.

Der Boneyard von Everts Air

Der Boneyard von Everts Air

Während ich also am Zaun des Flughafens entlang fuhr, glaubte ich das Geräusch von einem „Propliner“ zu hören. Und in der Tat, ich hatte mich nicht verhört, denn auf einmal sah ich eine Douglas DC-4. Der Sound der der vier Pratt&Whitney Sternmotoren ist unbeschreiblich!

DC-4 (Reg. N96358) von Alaska Air Fuel beim Auftanken

DC-4 (Reg. N96358) von Alaska Air Fuel beim Auftanken

Später sollte ich sogar das Glück haben, die gleiche DC-4 beim Start zu beobachten. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke!

DC-4 (Reg. N96358) von Alaska Air Fuel beim Start

DC-4 (Reg. N96358) von Alaska Air Fuel beim Start

Bei Everts Air sollte ich am zweiten Tag sogar eine Hangar-Führung erhalten. War nicht geplant, aber spontan führte mich Craig (Vielen Dank!) durch die Hangars, das Vorfeld und natürlich den Boneyard der Airline.

Recht schnell standen Craig und ich vor dieser betagten Dame, deren Motoren gerade durchgecheckt wurden. Aus diesem Grund fehlen die Verkleidungen der Sternmotoren.

DC6 (N444CE) "Spirit of America" auf der Rampe von Everts Air

DC6 (N444CE) „Spirit of America“ auf der Rampe von Everts Air

Craig erzählte mir ein wenig vom Geschäft von Everts Air: Mit neueren Flugzeugen, wie z.B. Embraer EMB 120 oder auch der Cessna 208 Grand Caravan, führt die Airline Passagier-Flüge innerhalb Alaskas durch. Mit den Klassikern, die in den 50er und 60er Jahren den Himmel beherrschten, werden Fracht-Flüge durchgeführt. Und das dritte Standbein der Firma sei das „Air Fuel“-Geschäft. Auf meine Nachfrage, ob es denn neben den großen Kerosin-Lieferanten einer Firma Everts bedürfe, um Flugzeuge am Flughafen zu betanken lachte Craig. Unter „Air Fuel“ versteht man in Alaska den Transport von Kraftstoff per Flugzeug.

Darüber wollte ich nun mehr wissen. Ein großer Teil der DC-6-Flotte und eine Curtiss Commando sind mit großen Tanks ausgestattet, um Benzin und Heizöl in die entlegendsten Ecken Alaskas zu befördern. Und zwar in Ortschaften, die weder per Schiff geschweige denn per Straße oder Schiene erreichbar sind. Da ich wohl aber immer noch recht ungläubig schaute, gab er mir die Gelegenheit in die oben gezeigte Lady zu klettern und mich meinen eigenen Augen zu überzeugen.

So sieht es in einem Everts "Air Tanker" aus

So sieht es in einem Everts „Air Tanker“ aus

Und tatsächlich: Im Frachtraum sind große Tanks installiert, in denen bis zu 19.000 Liter Sprit schwappen können. Es roch auch leicht wie in einem Heizöl-Tank 😉

Da mit den „Air Tankern“ überwiegend Schotter-Pisten angesteuert werden, sind moderne Flugzeuge mit Jet-Triebwerken für diesen Zweck absolut ungeeignet. Die aufwirbelnden Steinchen würden den Triebwerksschaufeln sehr schnell den Garaus machen. Höchstens Turbo-Props könnte man für diese Aufgabe gebrauchen, aber mit den alten Ladies wäre der Job genau so gut, wenn nicht sogar besser zu erledigen.

Und damit hatte ich auch die Erklärung, warum hier oben im Norden noch so viel „altes Eisen“ im regulären Flugbetrieb steht. Bei uns in Europa sieht man die Arbeitspferde höchstens in Museen oder ganz selten bei Klassik-Events fliegen. Und die DC-4, die tags zuvor gesichtet habe, gehöre eben einer Konkurrenz-Airline gab mir Craig zu verstehen. Und ich verstand…

Und während er mir weitere Besonderheiten der Luftfahrt in Alaska erläuterte, schlenderten wir zu einer Curtiss Commando, die bereit stand, um den nächsten Transport-Auftrag durchzuführen.

Curtiss Commando (N54514)

Curtiss Commando (N54514)

Und weil es so schön war, durfte ich auch hier die schmale Leiter erklimmen und mich im Inneren umschauen. Bei einem Flugzeug mit Spornrad muss man bergauf Laufen, um ins Cockpit zu gelangen. Und der Blick ins Cockpit hatte es mir angetan.

Das Cockpit der Curtiss Commando

Das Cockpit der Curtiss Commando

Ein Aussicht, die sich jeder Pilot bei einer anderen Airline nur wünschen kann. Das ist allerdings Fliegen in seiner reinsten Form: Kein Autopilot und Bildschirme sind auch nicht vorhanden. Stattdessen klassische Rundinstrumente und reichlich Hebel.

Ich könnte noch stundenlang weiter erzählen und weitere Fotos zeigen (was ich mit Sicherheit zu einem späteren Zeitpunkt noch tun werde), denn die Führung ging noch eine ganze Weile weiter. Ich durfte mich auch auf dem Boneyard umschauen und den firmeneigenen Simulator zeigte mir Craig ebenfalls. Aber dazu mehr in einem gesonderten Blogpost…

Denn als nächstes berichte ich Euch, was ich in Anchorage über die Luftfahrt in Alaska erfahren konnte.

Hinweis: Ich wurde auf dieser Reise von Condor mit Flügen, von AirBnB und Best Western mit Übernachtungsgutscheinen, sowie den Tourismusbüros der Regionen Fairbanks und Anchorage unterstützt. Herzlichen Dank dafür!

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8 Kommentare

  1. Cooler Bericht – ganz nach meinem Geschmack,
    Hast du vielleicht noch ein paar Infos zu dem eingewachsenen Flugzeug? Die Story von der Maschine wäre sicher mal total interessant zu recherchieren. Ich habe bisher nur Bilder von teilweise ausgeschlachteten C46-F gesehen, die wichtige Ersatzteile für die paar Überlebenden Curtiss Flieger bereit stellen.

    Hoffentlich gibt’s die noch, bis ich mal über den Teich fliegen kann. Ansonsten muss Alaska ja wirklich das Paradies der Busch bzw. Schotterfliegerei sein.

    LG Phil

    • Ingo Busch sagt

      Zu der eingewachsenen Commando konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen. Die stand hinter einem Zaun und es bestand keine Möglichkeit auf diesen Schrottplatz zu gelangen 🙁

      So, wie der Schrottplatz aussah, wird die Curtiss dort auch noch in ein paar Jahren stehen 😉

      Und ja, Alaska scheint mir wirklich das Eldorado für die Busch- und Schotterfliegerei zu sein…

  2. Sebastian sagt

    Moah, ein Traum!!!!!!! Werde im nächsten Jahr Richtung Alaska aufbrechen und stell Fairbanks auf die To-Do-Liste! Hammer!!!

    Danke für den Tipp 😉

    LG Basti

  3. Grandios! Fliegst du eigentlich auch selbst? Mein Filius (gerade 14) steckt mitten im Segelschein. Ich denke in zwei-drei Wochen steht der erste Alleinflug an. Ehrlich gesagt würde ich den Flugschein auch gerne machen und dann Motorflug … Und nach Alaska möchte ich sowieso! Hach! Sonnige Grüße,
    Jutta

    • Ingo Busch sagt

      Leider habe ich (noch) keinen Flugschein. Genau wie Dein Sohn habe ich zwar mit 15 eine Segelflug-Ausbildung begonnen aber nicht beendet. War damals einfach zuviel: 5 Tage die Woche Ganztagsschule und dann am Wochenende von morgens um 7 bis abends nach Sonnenuntergang auf dem Flugplatz.
      Ich träume daher auch und immer noch von einem Motorflugschein. Mal schauen, wann ich die Kohle dafür habe 😉

  4. Alaska ist mein absoluter Traum und steht ganz oben auf meiner Liste!
    Da ich vor habe, im Winter zu reisen, haben viele Mitrereisekandidaten angst vor den Temperaturen, sodass ich wohl alleine fliege.

    Wenn es möglich wäre, einmal mit dem Hundeschlitten unter dem Polarlicht zu fahren, würde ich nicht nein sagen! 🙂

    Tolle Bilder und vor allem – toller Blog!

    Liebe Grüße

    Andreas

  5. Pingback: Über den Wolken, vom Selberfliegen und den besten Flughäfen der Welt - Ein Interview mit Ingo von reise-wahnsinn.de - Teilzeitreisender.de

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