Seattle, Washington und Oregon 2015
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Seattle – „Rain City“ im Sonnenschein

Ist es wirklich schon fünf Jahre her, dass ich zuletzt in Seattle war? Irgendwie kam mir Vieles trotzdem (immer noch?) sehr vertraut vor. Allerdings hatte ich vor fünf Jahren nur knapp 24 Stunden Zeit die Stadt kennen zu lernen. Das wollte ich diesmal ändern. Insgesamt drei Tage hatte ich diesmal eingeplant.

Auf jeden Fall wollte ich zu manchen Fehler vom letzten Mal vermeiden. Und somit stand am frühen Vormittag auch erst mal ein Besuch des Pike Place Market auf dem Programm. Wenn die einzelnen Verkaufsstände auch mit Waren gefüllt sind, bekommt so ein Markt gleich ein anderes Gesicht 😉 Vor allem Blumen, Fisch und andere Meeresfrüchte wurden in Hülle und Fülle feilgeboten!

Das berühmte Schild am Eingang des Pike Place Market

Blumen auf dem Pike Place Market

Fisch satt

Meeresfrüchte in Hülle und Fülle

Nach dem Besuch des Pike Place Markets und der Umgebung war genügend Zeit, die Waterfront zu erkunden. Dummerweise hatte man sich in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dazu entschieden, die Innenstadt von der Waterfront durch eine monströse Hochstraße – dem Alaska Way Viaduct – abzutrennen. Glücklicherweise hat man mittlerweile dieses Fehler erkannt und gräbt zur Zeit einen großen Tunnel, um den Highway 99 unter die Erde zu verlegen. Macht die ganze Sache jedoch temporär nicht wirklich besser, weil zusätzlich zu der hässlichen Hochstraße nun auch eine Menge Baugruben den Anblick nicht gerade verschönern. Aber trotzdem schmeckten die frittierten Shrimps an der Waterfront ganz vorzüglich…

Kein hübscher Anblick – der Alaska Way Viaduct

Unter dem Alaska Way Viaduct – links die Waterfront

Bei meinem letzten Besuch wusste ich noch nichts über die Existenz einer „Altstadt“ in Seattle. Und dennoch gibt es ein historisches Viertel, wie ich lernen durfte: Es ist der „Pioneer Square“. Hier liegen die Ursprünge der Stadt. Dennoch ist hier kein Gebäude älter als 115 Jahre. Denn beim großen Stadtbrand 1899 brannte die komplette Stadt nieder. Dem Reichtum sei Dank wurde die Stadt sehr schnell wieder aufgebaut. Jedoch auf dem alten Straßen-Niveau. Man ließ also zunächst die Chance verstreichen ein anderes großes Problem der Stadt zu lösen.

Alt und neu nebeneinander

„Hartford Building“ im Pioneer Square

Kleine Geschichtsstunde

Eines der größten Probleme der Stadt war nämlich die Kanalisation. Zwar existierte eine Kanalisation bereits vor dem großen Brand, jedoch funktionierte diese mehr schlecht als recht. Vor allem bei Flut – Seattle liegt am Puget Sound und ist damit den Gezeiten ausgesetzt – drückte das steigende Wasser die Fäkalien wieder zurück in die Stadt. Somit verwandelte sich manches Wasserklosett in einen übelriechenden „Springbrunnen“ 😉 Um auch diesem Problem Herr zu werden, entschloss man sich nun, dass Straßen-Niveau um exakt ein Geschoss höher zu verlegen. Das führte zu manchem Kuriosum: Die Straße war auf dem Niveau des ersten Ober-Geschosses, während der Hauseingang sich nun im Keller befand. Somit musste man beim Überqueren der Straße zuerst eine Leiter erklimmen, die Straße queren und wieder eine Leiter hinabsteigen. Nicht ganz ungefährlich. Vor allem in alkoholisiertem Zustand 😉 Auch manches Pferd brach sich das Genick, wenn es in den Graben fiel. Irgendwann endete aber auch dieser unhaltbare Zustand. Die Gräben wurden „überdacht“ und somit entstanden neue Bürgersteige auf Straßenniveau. Damit einher ging auch eine Verlegung der Hauseingänge in das vormalige erste Obergeschoss.

Heutiges Straßenniveau – früher erstes Obergeschoss

Im Untergrund Seattles

Die Bürgersteige auf dem ehemaligen Straßenniveau waren nunmehr im Keller. Um diese trotzdem weiter nutzen zu können, mussten diese beleuchtet werden. Daher wurden die neuen Bürgersteige mit Lichtschächten versehen. Diese Lichtschächte bestanden aus kleinen Glaspyramiden und -Prismen, die das Tageslicht in den Untergrund brachten.

Lichtschacht von unten

… und von oben

Zurück in die Neuzeit

An einer Sehenswürdigkeit kommt man in Seattle nicht vorbei: Die Space Needle! Erbaut zur Weltausstellung 1962 ist sie wohl das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Zum Glück wurde sie ebenso wenig nach der Weltausstellung abgebaut, wie eine der ersten Alweg-Bahnen der Welt, die Seattle Center Monorail. Die Monorail ist wohl auch die bequemste Art zur Space Needle zu gelangen. Aus der Innenstadt fährt diese am Westlake Center ab und bringt einen binnen Minuten zur Space Needle. Kurz vor der Ankunft am Aussichtsturm durchquert die Bahn auch noch das EMP (Experience Music Projects) Museum, welches von Frank Gehry entworfen wurde und dessen spektakuläre Architektur am Fuße der Space Needle zu bewundern ist.

Space Needle

Aussicht von der Space Needle auf die Innenstadt Seattles und den Puget Sound

EMP Museum und die Monorail bei der Einfahrt

Architektur des EMP Museums

EMP Museum mit der Space Needle im Hintergrund

Tipps für den eigenen Besuch in Seattle

  • Der Pike Place Market befindet sich an der Ecke Pike Street / Pike Place. Besuchen sollte man diesen am besten am Vormittag.
  • An der Waterfront gibt’s bei Ivar’s Fish Bar für kleine Münze leckere frittierte Shrimps.
  • Den Untergrund Seattles erkundet man am besten bei einer Underground Tour. Diese wird durch Bill Speidel’s Underground Tour angeboten und dauert ca. eineinviertel Stunden. Die Touren starten stündlich am Pioneer Square, Ecke 1st Avenue und James Street.

Ach ja, geregnet hat es in Seattle während meines Aufenthaltes übrigens nicht einmal. Die Rain City trägt ihren Spitznamen nicht immer zurecht 😉

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6 Kommentare

  1. Vielen Dank für das schöne Portait, das Du von einer meiner Lieblingsstädte gezeichnet hast, Ingo. Sehr schöne Bilder. Das mit der Kanalisation, das habe ich noch nicht gehört. Genau so wenig wie, das das Alaska Way Viaduct unter die Erde gelegt werden soll. Ich kann es kaum erwarten. Denn der nervt wirklich gewaltig, wenn man es sich am Pier in einem der Liegestühle bequem macht.
    Den Pike Place Market habe ich einmal an einem Sonntagmorgen gegen 10 Uhr besucht. Da war es nahezu menschenleer, das war ein Traum.
    Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch, der derzeit allerdings leider noch nicht in Planung ist.
    Liebe Grüße, Heike

    • Ingo Busch sagt

      Es freut mich, dass Dir mein Artikel so gefällt, Heike! Die Story mit der Kanalisation habe ich auch erst auf der Unterground-Tour erfahren. Über die Verlegung des Alaska Way Viaducts unter die Erde berichtete Spiegel Online vor ein paar Jahren: Die Tunnelbohrmaschine hat einen eigenen Twitter-Account und postete damals schon Positionsmeldungen während des Transports von Japan nach Seattle 😉

  2. Hallo Ingo,

    danke für den interessanten Bericht. Nach zwei Besuchen in Seattle habe ich nun einiges dazu gelernt.
    Den Besuch des Pike Place Market würde ich auch auf jeden Fall am Morgen empfehlen. Wir waren bei unserem ersten Besuch sehr früh dort, da war er noch nicht so überlaufen. Seattle ist wirklich eine sehenswerte Stadt. Die Führung im Untergrund muss ich mir unbedingt für unseren nächsten Besuch merken.

    Viele Grüße,
    Tanja

    • Ingo Busch sagt

      Die Führung im Untergrund lohnt sich auf jeden Fall! Ist toll gemacht und es wird wirklich viel zur Geschichte der Stadt erzählt. Dadurch, dass man im Untergrund unterwegs ist, wird Geschichte auch wirklich „begreifbar“…

  3. Sehr cool Ingo, ich finde ja die Story mit der Kanalisation und der heutigen erhöhten Stadtbebauung super interessant, davon hab ich bisher noch nie etwas gelesen.
    Danke dafür.
    Liebe Grüße
    /inka

    • Ingo Busch sagt

      Man findet auch nicht viele Infos dazu, Inka. Ich habe nur vor vielen Jahren mal in einer Doku im TV dazu einen Halbsatz gehört… Und jetzt halt ganz viel während der Underground-Tour 🙂

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