Luftfahrt- und (Welt-) Kriegsmuseum Texel

Eingang zum Luftfahrt- und Kriegsmuseum Texel
Eingang zum Luftfahrt- und Kriegsmuseum Texel

Schon beim Betreten des „Luchtvaart & Oorlog Museum Texel“ fällt auf, dass dieses Museum anders ist. Denn in diesem Luftfahrt und Kriegsmuseum – so die deutsche Übersetzung – spielt der Krieg, also der 2. Weltkrieg, eine wichtige Rolle. Und zwar aufgrund der besonderen Geschichte Texels unter der deutschen Besatzung…

Texel unter deutscher Besatzung

Werbung:

Als Teil des „Atlantikwalls“ war Texel von hoher strategischer Bedeutung für die deutsche Wehrmacht. Und auch hier wurden – wie an vielen Stellen entlang der europäischen Atlantikküste – viele Bunker und Geschützstellungen durch die Wehrmacht errichtet. Aber auch der bereits 1937 eröffnete Flugplatz spielte eine wichtige Rolle für die deutsche Luftwaffe.

In den Vitrinen werden Artefakte von im zweiten Weltkrieg auf Texel abgestürzten bzw. abgeschossenen Flugzeugen gezeigt

Eine Menge alliierter Flugzeuge stürzten über Texel oder in der näheren Umgebung ab und das Museum erinnert mit vielen Artefakten und Informationen an die vielen Alliierten Soldaten, die hier den Tod fanden oder in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten.

Die Uniform eines Bordschützen einer über Texel abgestürzten Stirling LK200

Während der deutschen Besatzung verhielten sich die auf der Insel verbliebenen Texelaner überwiegend passiv gegenüber den deutschen Besatzer. Dieses änderte sich erst gegen Ende des Krieges….

Der Georgier-Aufstand

Neben regulären Truppen der Wehrmacht waren auf Texel auch georgische Soldaten des 822. Infanteriebataillons der „Georgischen Legion“ stationiert. Diese Soldaten der sogenannten „Ost-Legionen“ der Wehrmacht waren großenteils nicht ganz freiwillig in deutschen Diensten.

Modelle der deutschen Bunkeranlagen und Stellungen auf Texel

Die Georgier probten knapp einen Monat vor Ende des zweiten Weltkriegs den Aufstand und töteten einen Großteil der deutschen Wehrmachts-Soldaten. Jedoch endete dadurch der Krieg nicht auf Texel, sondern dauerte hier sogar zwei Wochen länger, als auf dem Festland, denn die deutsche Wehrmacht verlegte in den letzten Kriegswochen zusätzliche Truppen nach Texel, um die Georgier zu bekämpfen.

Dieses Gemetzel an den Georgiern und den Einheimischen, die die Georgier unterstützen und versteckten, wird als der „Georgier-Aufstand“ von Texel bezeichnet. Spuren finden sich auf Texel noch an vielen Stellen, z.B. am Leuchtturm im Norden der Insel.

In der Halle des Museums sind Exponate aus der Zeit des zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit ausgestellt

Das Museum widmet sich umfassend dem Aufstand der Georgier und der deutschen Besatzung, sowie der Nachkriegszeit auf Texel.

Weiterführende Informationen

  • Auf einer deutschsprachigen Website ist die Geschichte der Besatzung Texels während des zweiten Weltkriegs und der Georgier-Aufstand umfassend dargestellt.
  • „Einestages“ von Spiegel Online hat dem Georgier-Aufstand ebenfalls einen Artikel gewidmet: „Blutbad im Dünenparadies“

Luftfahrt-Raritäten

Neben einer Ausführlichen Darstellung der Geschichte der Luftfahrt auf Texel und der Geschichte der KLM hat das Museums ein paar Raritäten zu bieten, die besonders erwähnenswert sind.

Der Hubschrauber NHI-H3 „Kolibrie“

Eher versteckt am Ende der Luftfahrt-Aussstellung entdeckt man ein besonderes Kleinod: Einen der wenigen Hubschrauber, die mit einem Blattspitzenantrieb angetrieben wurden. Und anders als andere Modelle, die sich dieser – sehr seltenen Antriebstechnik – bedienen, wird hier an den Enden der Rotorblätter nicht Druckluft ausgestoßen, sondern die Hersteller der NHI-H3 „Kolibrie“ montierten hier Ramjet-Triebwerke, die den Rotor in Bewegung setzen. Kommerziell war diese Art der Konstruktion nicht sonderlich erfolgreich und daher wurde nur wenige Exemplare dieses Drehflüglers gebaut.

Cockpit-Nachbau einer Lockheed L-1049 „Super Constellation“

In mühevoller Arbeit haben die Enthusiasten des Museum ein komplettes Cockpit einer Lockheed L-1049 „Super Constellation“ nachgebaut. Das „Cockpit“ mag zwar aus Holz sein, jedoch sind die Instrumente und die gesamte andere Einrichtung des Cockpits original. Diese entstammen allesamt von (Super) Constellations die im Laufe der Jahre abgewrackt wurden. Die Instrumente und alles andere wurde jedoch von Luftfahrt-Fans vor der Verschrottung gerettet.

Nachbau des Cockpits einer Lockheed L-1049 Super Constellation

Fazit

Obwohl das Museum eher klein ist, ist es auf jeden Fall einen Besuch wert! Mir war vor dem Besuch nicht bewusst, wie der zweite Weltkrieg auf Texel endete.

Hinweis: Ich wurde zu der Reise nach Texel durch den VVV Texel eingeladen. Mein persönlicher Eindruck wurde dadurch jedoch nicht beeinflusst.

Verwandte Artikel:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*