„Westfälisch Genießen“ – so heißt nicht nur der gleichnamige Verein, der sich den Erhalt und die kreative Weiterentwicklung der regionalen Küche zum Ziel gesetzt hat. „Westfälisch Genießen“ war auch das Motto meiner Reise durch Westfalen, um Zunge und Gaumen verwöhnen und überraschen zu lassen. So viel sei vorab gesagt: Auch wenn ich „nur“ fünf der insgesamt 27 Restaurants der Initiative kennen lernen durfte, hat sich jeder einzelne Besuch gelohnt!
Auf einen Blick
Historisches Gasthaus Buschkamp im Museumshof Senne
Im Museumshof Senne steht ein Ensemble historischer Fachwerkhäuser, die hier als „Leihgabe“ des Freilichtmuseums Detmold wieder aufgebaut wurden. Im historischen Gasthaus „Buschkamp“ kocht hier Silvio Eberlein mit seiner Crew ganz modern und vor allem unter Einbeziehung von Gemüse und Kräutern, die im eigenen Bauerngarten angebaut werden. Und dieser Kräutergarten hat es in sich: Ich hatte vorher noch nie etwas von „Olivenkraut“, „Reinfarn“ oder der Existenz von Gewürz-Tagetes gehört. Neben seiner Begeisterung für – teilweise vergessene – Kräuter begeistert sich Silvio Eberlein auch fürs Brotbacken. Und so experimentiert und backt er im benachbarten Backspeicher allerlei interessante Backwaren. Am Tag meines Besuches auf dem Museumshof konnte ich beispielsweise ein Schmalzbrot kosten, bei dem das Schmalz nicht auf dem Brot lag, sondern im Brotteig steckte. Einfach köstlich! Ein Alleinstellungsmerkmal aller hier gebackenen Brote dürfte sein, dass keinerlei Hefe zugesetzt wird, was die langen Gehzeiten der Teige erklärt.
Dass Silvio Eberlein aber nicht nur sehr gut backen, sondern vor allem auch exzellent kochen kann, davon konnte ich mich natürlich auch überzeugen:
Buschkampstrasse 75
33659 Bielefeld
Website: https://museumshof-senne.de/
Hotel und Restaurant „Im Engel“ / Bistro „Engelchen“ in Warendorf
Mitten in der Altstadt der „Pferdehauptstadt“ Warendorf liegt das Hotel und Restaurant „Im Engel“. In 10. Generation betreibt Inhaber Gerhard Leve den Betrieb. Als ausgebildeter Sommelier hat er dem Betrieb eine Weinboutique angegliedert und diese ist nebst Weinkeller mit über 900 Weinen unterschiedlichster Jahrgänge mehr als nur gut bestückt.
Ein besonderes Schmankerl ist jedoch die Kulinarische Schlemmertour durch Warendorf. Diese startet am Hotel, wo sich erst einmal mit regionalem Fingerfood gestärkt wird, bevor es per pedes durch die Warendorfer Altstadt geht.
Die Tour mit Guide macht mehrmals Stopp, um sich weiter zu stärken. So auch im Bistro „Engelchen“, welches ebenfalls Gerhard Leve gehört und dort wurde mir ein Rumpsteak kredenzt. Das Steak war auf den Punkt gegart und das Sößchen war ein Traum!
Brünebrede 33-37 (Anfahrt über Ostwall 8)
48231 Warendorf
Website: http://www.hotel-im-engel.de/
Café Bistro Vinothek „Engelchen“
Heumarkt 2
48231 Warendorf
Website: http://www.hotel-im-engel.de/de/engelchen
Hotel-Restaurant Domschenke in Billerbeck
Billerbeck ist ein beschauliches Örtchen im westlichen Münsterland. Hier betreibt Küchenmeister Frank Groll zusammen mit seiner Frau Petra in fünfter Generation das Hotel und Restaurant vis-à-vis vom Dom. Auch hier wird die traditionelle Küche Westfalens mit neuen Akzenten versehen und den Gästen serviert. Jedes der Gerichte, die ich kosten durfte, war exzellent. Und dass moderne Küche durchaus bodenständig sein kann, beweisen hier die als Beilage gereichten Bratkartoffeln, die exakt so waren, wie ich sie liebe: Mit Speck und Zwiebeln und auf den Punkt gebraten!
Gut Kump – Gastronomie und Hotel in Hamm
Auf Gut Kump lässt sich nicht nur fantastisch schlafen, sondern ebenso gut essen! Gutsherr Hendrik Wilms-Schulze Kump rührt hier allerdings nicht selbst in den Töpfen, sondern überlässt die Komposition regionaler Speisen seinem Küchenchef Sascha Hoffmann. Andererseits musste der Küchenchef sich nicht ums Erlegen des Rehs kümmern, dessen Rücken ich verspeisen durfte. Die Jagd übernimmt der Gutsherr persönlich. 😉 Ob selbst vom Koch erlegt oder nicht: Der Rehrücken war ebenso ein Gedicht, wie die anderen Gänge!
Schlichte Hof in Bielefeld
Gewissermaßen ein „Urgestein“ der Initiative „Westfälisch Genießen“ ist Koch Bernhard Kampmann mit seinem Restaurant Schlichte Hof. Gespeist wird hier entweder im alten Pferdestall, in der alten Deele oder auf dem ehemaligen Heuboden. Auf den Tisch kommt hier natürlich auch nur moderne westfälische Gerichte aus regionalen Zutaten. Zusammen mit seiner Küchenbrigade sorgt Bernhard Kampmann für besondere kulinarische Genüsse und auch manchen überraschenden optischen Effekt bei der Präsentation der Speisen. Die komplette Crew – egal ob Chef oder Service – sind sehr aufmerksam und so wurde meine Bemerkung, dass ich – als Soßenliebhaber – gerne etwas mehr Soße hätte, sogleich mit einem Extra Kännchen Soße für mich in die Tat umgesetzt. So etwas gefällt mir wirklich sehr gut!
Westfälisch Genießen – regional und lecker!
Mein Gaumen konnte sich davon überzeugen, dass sich die Initiative „Westfälisch Genießen“ für die regionale Küche Westfalens stark macht und die Restaurants diese Philosophie leben. Kein Wunder, darf denn das Gütesiegel des Vereins auch nicht jedes Restaurant führen. So unterschiedlich die von mir besuchten Häuser waren, eines haben sie gemeinsam: Überall habe ich ganz fantastisch gegessen und wurde immer wieder von der Raffinesse und Pfiffigkeit der Köche und deren Speisen überrascht!
Tipp:
Auf der Website des Vereins „Westfälisch Genießen“ gibt es einen Restaurant-Führer, in dem alle Restaurants aufgeführt sind, die das Gütesiegel tragen und das kulinarische Erbe der Region pflegen.
Wie viele Kilos nimmt auf so einer Gourmet-Tour zu?
Ich weiß es nicht. Ich habe mich eine Woche danach nicht auf die Waage gestellt 😉