Sauerland
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Mein Sauerland-Roadtrip: Wasser, Berge, Draht, Modellautos und vieles mehr

In der Nähe von Iserlohn

Sauerland. Damit habe ich als Kind vor allem Regen und Schnee verbunden. Ach ja, und kalt war es auch immer. Auch im Sommer. Zumindest kälter als in Düsseldorf, wo wir damals wohnten, wenn wir meine Großeltern in Lüdenscheid besuchten.

Irgendwann zogen meine Großeltern zu uns ins Rheinland und das Sauerland verschwand aus meinem Blickfeld. Bis ich ungefähr zwanzig Jahre später anfing Motorrad zu fahren. Zuerst erkundete ich von Köln aus Eifel und Bergisches Land. Und dann das Sauerland. Mir gefiel es immer besser. Und so fuhr ich mit meinen Freunden im Sommer häufiger raus aus Köln und wir ließen uns die frische Luft um die Nase wehen.

Landschaft bei Meinerzhagen

Das Motorrad ist mittlerweile schon wieder Geschichte und so ist es an der Zeit, das Sauerland erneut zu entdecken. Diesmal habe ich einen Roadtrip mit dem Auto geplant. Die ersten frühlingshaften Tage bieten sich einfach dafür an. Bei einer Bratwurst an der Glörtalsperre will ich es diesmal nicht belassen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“, was die Region auch touristisch zu bieten hat.

Schon auf der Anfahrt zur Volmequelle in Meinerzhagen öffne ich das Fenster meines Autos und lasse die frische Luft herein. Herrlich! Zu dieser Jahreszeit sind noch nicht viele Wanderer und auch nur vereinzelt Biker unterwegs. So stehe ich ganz allein an der Quelle eines Flusses, der neben vielen anderen das Sauerland so prägt.

Vollmequelle

Ich fahre weiter und parke mein Auto an der Nordhelle. Nach einem kurzen Spaziergang stehe ich auch schon auf dem Gipfel-Plateau. Hier stehen neben dem WDR-Sender Nordhelle auch der Robert-Kolb-Turm, von dem man die Aussicht genießen kann. Aber auch vom Fuße des Aussichtsturm ist die Sicht fantastisch. Immerhin stehe ich auf dem fünfthöchsten Berg Nordrhein-Westfalens. Ich könnte hier noch etwas länger stehen, den Blick schweifen lassen und meinen Gedanken nachhängen. Aber ich will ja noch mehr erleben. Also spaziere ich zurück zu meinem Auto und bin wieder „back on the road“.

Panorama von der Nordhelle

Über wunderschön geschwungene Sträßchen – ein Traum für jeden Motorradfahrer – führt mich mein Weg an der Fürwigge-Talsperre entlang nach Lüdenscheid.

Staumauer der Fürwigge-Talsperre

Hier ist die Rückblende in meine Kindheit komplett: In der Siku/Wiking-Modellwelt kommt das Kind in mir wieder hoch! Bei dem einen oder anderen ausgestellten Modellauto denke ich daran, dass ich so ein Modell auch besaß. Ich weiß nicht wie viele Autos aus Zinkdruckguss ich hatte. Aber hundert mögen es bestimmt gewesen sein. Und Flugzeug-Modelle, die Siku ebenfalls fertigte. Natürlich kommen mir auch einige Wiking-Modelle bekannt vor, da ich als Kind der Achtziger „natürlich“ auch eine Modelleisenbahn hatte. Es sind aber nicht nur die Modelle der verschiedenen Epochen ausgestellt, sondern es wird anschaulich gezeigt, aus wie vielen Bauteilen so ein Modellauto besteht. Oder welche Produkte die Sieper-Werke neben den Modellautos in Vergangenheit fertigten. Irgendwann habe ich jedoch alle Exponate in Augenschein genommen und fast alle Erklärungen gelesen. Zeit für mich, wieder weiter zu fahren.

Ich verlasse Lüdenscheid und fahre weiter nach Altena. Ziel soll allerdings nicht die Burg mit der ersten Jugendherberge der Welt sein, denn ich bleibe thematisch beim Metall. Diesmal jedoch langgezogen als Draht im Deutschen Drahtmuseum. Das Museum liegt unterhalb der Burg und ist weltweit einzigartig. Es wird nicht nur sehr anschaulich gezeigt und erklärt, wie die Herstellung von Draht durch Ziehen funktioniert, sondern dass unsere Welt von Draht bestimmt ist. Ohne Draht hätten wir kein Telefon und auch keine Hängebrücken. Strom könnte weder erzeugt, noch über Leitungen in Häuser gelangen. Und selbst ein profanes Küchensieb wäre ohne Draht undenkbar. Schon sehr spannend, was hier im Gebäude des ehemaligen Lyzeums gezeigt wird. Es gibt aber nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu drücken, kurbeln oder schieben. Die Kinder kommen auf ihre Kosten: Vor allem die Morsetaste, die bei jedem Tastendruck einen Piepton von sich gibt, scheint es ihnen angetan zu haben. Aber auch die vielen Erklärfilme, die auf Knopfdruck abgespielt werden, wecken das Interesse von Jung und Alt.

Burg Altena

Ich verlasse Altena und das Drahtmuseum und cruise wieder durch die hügelige Landschaft und mache einen Halt am Quitmannsturm. Ich erklimme die Treppen und genieße wieder die Aussicht. Bevor ich mich nach dem Abstieg mich wieder ins Auto setze, überquere ich die Straße und suche noch die Aussichtsplattform „Großer Attig“ auf. Dieses Holzgerüst wurde nach dem Orkan Kyrill errichtet und man kann tatsächlich von dort sehr gut erkennen, welche Schneisen der Sturm geschlagen hat. Aber die Natur erobert sich die Freiflächen zurück. Sträucher und erste Bäume wachsen wieder um die Wette.

Hier wütete Kyrill

Ich folge ein Stück lang der B229, lasse eine Stippvisite am Sorpesee zu meiner Rechten ausnahmsweise aus und steuere den Balvener Ortsteil Mellen an. Dort steht in der Nähe des Friedhofes eine weitere Aussichtsplattform. Hier lasse ich auf der aufgestellten „Baumelbank“ nicht nur die Beine, sondern auch die Seele baumeln.

Baumelbank

Panorama in Balve-Mellen

Und genieße wieder das Panorama und die Ruhe. So langsam bin ich komplett im Entspannungs-Modus angekommen. Ich fahre weiter durch das Hönnetal, knipse Schneeglöckchen in Hemer und genieße den Roadtrip immer mehr.

Meine Rundreise durch das Sauerland neigt sich langsam dem Ende, als ich nach Iserlohn düse. Den Danzturm will ich mir nicht entgehen lassen. Bevor ich allerdings die vielen Stufen hinauf tappe, widme ich mich ein wenig der Geschichte: Schon auf dem Weg vom Parkplatz entdecke ich die Replika eines optischen Telegrafen preußischer Bauart auf dem Nachbargebäude. Und in der Tat wurde das heutige Restaurant ursprünglich als optische Telegrafenstation Nr. 43 der Telegrafenlinie Berlin-Coblenz (sic!) erbaut. Der Aussichtsturm wurde erst mehr als fünfzig Jahre nach der Außerdienststellung der Telegrafenstation erbaut. Im Erdgeschoss des Turmes ist eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Telegrafenlinie eingerichtet. Ich stapfe die Stufen des Turmes hoch und lasse mir den Wind um die Nase wehen, bevor ich zum letzten Foto-Stopp meiner Rundreise aufbreche.

„Pater und Nonne“ in Iserlohn will ich auch noch unbedingt auf den Chip meiner Kamera bannen, bevor ich mich wieder zurück auf den Weg ins Rheinland mache.

Ich bin während der Reise immer wieder überrascht, welche Schätze und Kleinode ich entdecken konnte. Letzte Schneereste und erste Frühlingsboten liegen im Sauerland mitunter nur wenige Fahrminuten auseinander.

Und es gibt noch so viel zu sehen. Unzählige (Fern-) Wanderwege durchziehen das Sauerland und die Wegemarkierungen des „Sauerland-Höhenflugs“ sehe ich nicht nur einmal. An der Knochenmühle in Mühlhofe in Meinerzhagen habe ich sogar die markante Muschel des Jakobsweges entdeckt. Wird Zeit für mich, mal den Rucksack zu packen und auch auf Schusters Rappen das Sauerland zu erkunden!

Auf jeden Fall habe ich den Roadtrip sehr genossen und hat mich in meiner Meinung bestärkt, dass Urlaub vor der eigenen Haustür durchaus lohnt.

Hier noch einmal die Route:

Download der Route:

Welche Tipps habt Ihr zum Sauerland? Was sollte man noch gesehen haben?

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6 Kommentare

  1. Wie immer schöne Fotos der Herr!
    Das Drahtmuseum klingt interessant. Das muss ich mir auch mal anschauen.
    Wie zeichnest Du Deine Tracks auf?

  2. Klasse Bericht und tolle Fotos. Ja das Gute liegt manchmal so nah 😉
    Dann schließe ich mich mit der Frage an, in welchem Programm du die Tracks bearbeitest?

    • In diesem Fall hatte ich die Route vorher mit Tyre geplant. Und die ITN-Datei dann auf meinen Tomtom Rider übertragen. Export nach GPX und KML kann Tyre auch. Wenn ich einen Track aufzeichne, mache ich das mit einer Software names „Logpos by Pilsit“, die auf meinem Rider installiert ist. Den resultierenden ITN-Track kann ich dann in Tyre nachbearbeitenn. Leider scheint die Entwicklung von Logpos eingestellt worden sein und es wird nicht mehr zum Download angeboten.

      Als Alternative kann man natürlich mit jedem anderen Tracker die Tour aufzeichnen und dann mit Tyre nachbearbeiten. Evtl. muss vorher die aufgezeichnete Route mit einem Tool ins ITN- oder GPX-Format umwandeln.

  3. Ach ja, da kommen doch Heimatgefühle hoch. Schön einen Bericht aus der Heimat zu lesen während man gerade in Taiwan sitzt. Würde zwar gerade nicht tauschen wollen – aber trotzdem schön 🙂

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