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Kommentar: Hallo Lufthansa-Vorstand! Ich glaub‘ es hackt!

Die Lufthansa-Hauptverwaltung in Köln

Die Zitrone ist nie ausgequetscht.

(Christoph Franz, Lufthansa-Vorstandsvorsitzender im April 2014)

Ich frage mich seit dem o.g. Ausspruch des damaligen Lufthansa-CEO welche Geisteshaltung an der Spitze der Lufthansa herrscht. Herr Franz ist seit über einem Jahr Geschichte, es hatte sich „ausgefranzt“. Dennoch scheint auch die heutige Führung der Kranich-Airline das Franz’sche Credo übernommen zu haben. Anders ist nicht zu erklären, warum seit anderthalb Jahren keine Einigung mit den Piloten, den Kabinen-Beschäftigten und auch mit den Mitarbeitern am Boden zustande kommt.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Zitrone durch Franz‘ Nachfolger Carsten Spohr komplett ausgepresst werden soll. Und das, obwohl die Airline den höchsten Gewinn ihrer Geschichte einfahren wird. Mit der Zitrone hat Christoph Franz seinerzeit auf die Mitarbeiter abgezielt. Er, und auch sein Nachfolger Spohr sowie seine „Büchsenspanner“, vergessen jedoch, dass ausgequetschte Zitronen saftlos sind. Mitarbeiter, die jedoch „saftlos“ sind, dürften niemals motivierte Mitarbeiter sein. Und genau das machte den „Kranich-Spirit“ über Jahrzehnte aus: Man machte nicht einfach nur einen „Job“, sondern ging seinem Beruf nach. Und Beruf kommt nun mal von „Berufung“!

Bereits im März hatte ich geschrieben, warum ich es richtig finde, dass die Piloten streiken. Ein großer Teil der Probleme sind seitdem immer noch nicht gelöst bzw. wurden durch den Vorstand unter Carsten Spohr sogar weiter verschärft. Die Piloten wurden zwar durch die Lufthansa gerichtlich eingebremst und streiken vorerst bzw. zur Zeit nicht. Das löst jedoch den Tarifkonflikt keinesfalls! Denn darum geht es weiterhin:

  • Die Übergangsversorgung in Cockpit und Kabine
  • Gehaltsverhandlungen
  • Altersversorgung für Cockpit, Kabine und Boden

Gerade letzter Punkt könnte sich langsam zu einer tickenden Zeitbombe für die Lufthansa entwickeln: Der Versorgungs-Tarifvertrag wurde durch den Lufthansa-Vorstand gekündigt und keine der drei Berufsgruppen kommt in den Verhandlungen mit dem Vorstand weiter. Die Kabine, vertreten durch UFO, versuchte, anders als die Vereinigung Cockpit in 13 Streiks, in langen, zähen Verhandlungen in allen sie betreffenden Punkten Einigkeit zu erzielen. UFO war stellenweise zu schmerzhaften Einschnitten bereit. Trotzdem hat der Lufthansa-Vorstand eine Giftpille nach der anderen aufgetischt. Das führte dazu, dass die Verhandlungen seitens UFO abgebrochen wurden. Man redet zwar derzeit wieder mit dem Vorstand, aber wenn heute abend keine Einigung auf dem Tisch liegt, steht ein Streik der Flugbegleiter ins Haus. Und ich habe Verständnis dafür!

Auch Verdi kommt in den Tarifverhandlungen für die Boden-Beschäftigten nicht richtig vom Fleck. Auch die Verdi-Mitglieder könnten in absehbarer zum Streik bereit sein. Die Stimmung unter den Beschäftigten am Boden ist jedenfalls genauso mies, wie in Kabine und Cockpit. Da jedoch die drei Gewerkschaften (Verdi, Vereinigung Cockpit und UFO) ein nicht besonders herzliches Verhältnis untereinander pflegen ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass aller Beschäftigungsgruppen in einen abgestimmten Streik treten. Was ich sehr schade finde. Denn ich glaube, nur durch einen übergreifenden Streik ist der derzeitige Lufthansa-Vorstand zur Vernunft zu bringen.

Mein Appell daher an die Gewerkschaften: Begrabt, wenn auch temporär, das Kriegsbeil und macht gemeinsam Druck auf den Lufthansa-Vorstand! Spohr und Co. wollen Euch gegeneinander ausspielen!

Allem Anschein nach setzt ein Kulturwandel innerhalb der Lufthana ein: Weg von einer Sozialpartnerschaft zwischen Unternehmen und Mitarbeitern hin zu einer „friss-oder-stirb“-Mentalität frühkapitalistischer Prägung. Anders ist es auch nicht zu erklären, warum sich Spohr und Co. der „Beratung“ durch das umstrittene Schranner Institute bedienen sollte. Ziel von Matthias Schranner und seinen Kriegern ist ja das sog. „Union-Busting“. Sprich: Die Bekämpfung von Gewerkschaften und deren Einfluss. Pikant dabei ist, dass besagte Berater aus der Schweiz heraus agieren, obwohl gerade in der Schweiz eine Konsenskultur (bisher) herrscht. Aber das interessiert Schranner als Deutschen wahrscheinlich nicht die Bohne. Und den Lufthansa-Vorstand auch nicht.

Anstatt wenigstens den Eindruck zu erwecken, konstruktiv verhandeln zu wollen, goss und gießt Carsten Spohr mit seinen „Management-Samurais“ Öl ins Feuer! So wurde unter anderem den angehenden Piloten, die sich zum Teil schon seit Jahren in einer Warteschleife befinden, mitgeteilt, sie müssten sich innerhalb einer Woche bei der Eurowings bewerben, sonst gäbe es keine Anstellung. Und im Konzerntarifvertrag schon mal gar nicht. Den „Nachwuchsflugzeugführern“ (NFF) wurde sprichwörtlich die Pistole auf die Brust gesetzt. Denn durch die etwas komplizierte Vertragssituation (die auch ich noch nicht ganz durchblicke, aber vielleicht kann jemand in den Kommentaren aufklären) sind die NFF’s gezwungen, dieser Erpressung nachzugeben oder sie sehen noch höheren Rückzahlungen ihrer Ausbildungkosten (70.000 Euro?) entgegen.

Auch die Kabine muss um ihre Arbeitsplätze zittern: Mit dem Start der Eurowings letztes Wochenende ist absehbar, dass die Lufthansa nicht nur die Germanwings abwickeln und die Verkehre zur Eurowings verschieben wird, sondern auch von der Lufthansa-Mainline werden Zug-um-Zug Flugzeuge und damit Strecken zur Eurowings verschoben. Wohlgemerkt an eine „Eurowings“ in Österreich, die derzeit nicht viel mehr als ein Briefkasten ist. Denn ohne Tarifverträge lässt sich durch die Lufthansa-Führung nach Gutdünken schalten und walten. Ohne den Einfluss der lästigen Gewerkschaften mit einhergehendem Lohndumping. Was am Ende bei der „Deutschen Lufthansa AG“ außer dem Firmensitz noch deutsch bleibt, ist fraglich.

Und auch am Boden wurde beim Kranich seit langer Zeit schon die Axt angesetzt: Der Standort Norderstedt mit der Abrechnung wird dicht gemacht, denn in Polen und Indien wird billiger gearbeitet. Und Gewerkschaften haben dort höchstwahrscheinlich auch nur einen begrenzten Einfluss. Auch in der Technik wird seit Jahren ins Ausland verlagert: Während renommierte Airlines bei Lufthansa in Deutschland umfangreiche Checks und Wartungsarbeiten durchführen lässt, werden die Lufthansa-eigenen Flugzeuge seit Jahren in Budapest, Malta oder Manila gewartet. Was zu der wahnwitzigen Situation führt, dass an den deutschen Wartungsstandorten manchmal kaum was zu tun ist. Möglich, dass auch das Teil des perfiden Plans ist: „Liebe Mitarbeiter, Ihr seht ja selber, dass zu wenig zu tun ist. Daher müssen wir leider, leider betriebsbedingte Kündigungen aussprechen.“

Ich komme langsam zum Schluss, bevor mein Blutdruck noch höher steigt. Mein Appell lautet daher an den Lufthansa-Vorstand und dem CEO Carsten Spohr:

Ich glaub‘ es hackt! Kommt zur Vernunft und erinnert Euch daran, welche Werte wirlich zählen! Werft die McKinsey-Berater raus und die Söldner vom Schranner Institute ebenfalls! Dann wird es auch eine einvernehmliche Lösung mit dem Gewerkschaften geben. Und wenn tatsächlich so viel gespart werden muss, damit neue Flugzeuge beschafft werden können: Wie wäre es mit einer weiteren Kürzung oder Aussetzung der Dividende? (2012 und 2014 wurde keine Dividende ausbezahlt; 2013 nur durch eine geänderte Bilanzierung und damit einhergehender Abschmelzung der stillen Reserven) Es kann einfach nicht sein, dass die Aktionäre keinen Anteil an den Sparvorhaben haben. In Artikel 14, Absatz 2 steht nicht umsonst geschrieben:

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Damit schließe ich. Ich freue mich über jeden Kommentar, egal ob zustimmend oder ablehnend. Ich freue mich auch über weitere Hinweise, falls ich etwas übersehen haben sollte. Das gilt auch für alle Leser, die via Facebook diesen Artikel gefunden haben: Ich würde mich sehr über Kommentare unter diesem Artikel freuen. Kommentare, die bei Facebook in (geschlossenen) Gruppen abgegeben werden, kann ich nicht lesen 🙁

Hinweis in eigener Sache: Ich bin nicht nur Reiseblogger, sondern primär Arbeitnehmer (wenn auch nicht bei Lufthansa). Ich war aber noch nie Mitglied in einer Gewerkschaft oder Partei.

Update 31.10.2015, 16:47: Der Abschnitt mit den Dividenden-Zahlungen wurde leicht überarbeitet.

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17 Kommentare

  1. Werner Huß sagt

    Hallo Herr Busch,

    bis 2010 habe ich für die DLH 34 Jahre lang Flugzeuge geflogen. Schon in den letzten 2-3 Jahren meiner Dienstzeit machten sich die „Zitronenpresser“ immer breiter. Was nun aber in den letzten zwei Jahren bei der DLH passiert ist, hätte ich mir in den schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Es ist traurig,aber ich bin froh, dass ich in dieser Firma nicht mehr arbeiten muss, das ist nicht mehr „meine“ Lufthansa. Ich hoffe nur, dass irgendwann (beim Vorstand) Vernunft einkehrt und eine Einigung mit allen Personalgruppen zu Stande kommt.
    Werner Huß

  2. Samuel Stiefel sagt

    Danke für diese klaren Worte!
    Ich unterschreibe den Text, aber nicht die Überschrift!
    Das Verb wird nämlich ohne c geschrieben! 😉

    • Ingo Busch sagt

      Vielen Dank für diesen interessanten Einwand. Tatsächlich meine ich „es hackt“. Und nicht „es hakt“. Obwohl es tatsächlich in dem Tarifkonflikt an vielen Stellen „hakt“.

      Ich bleibe bei „es hackt“, um damit bei der Bedeutung im Sinne von „nicht mehr bei rechtem Verstand zu sein“ zu bleiben. Denn wie schreibt das „Wörterbuch der deutschen Umgangssprache“ von Heinz Küpper, welches 1950 erschienen ist:

      „Ich glaube, es hackt bei dir = du bist wohl nicht recht bei Verstand?“

      Es freut mich trotzdem, dass mein Kommentar Ihre Zustimmung findet!

      • geralde sagt

        Ich bin der gleichen Meinung. Und natuerlich bin ich begeistert dass Sie alles so toll in Worte fassen konnten. (Ich kann as leider nicht.) Nach wie vor glaube ich ja dass es da noch einen verschleierten Grund gibt warum die Lufthansa auf Biegen und Brechen kaputtgemacht werden soll.
        Und ich hatte das ebenso richtig verstanden, mit Absicht „es hackt“. 🙂

  3. Melanie sagt

    Sie sprechen mir aus der Seele. Dies betrifft natürlich nicht nur eine Lufthansa. Viele Konzerne verstehen noch nicht den einen wichtigen Punkt! Dass loyale und zufriedene Mitarbeiter am Ende trotz höherer Löhne günstiger sind. Unzufriedenheit und abnehmende Loyalität sind die Folge des „ausgepresst werdens“ und daraus folgen ansteigende Krankheitszahlen und weniger Engagement. Was dies die Unternehmen kosten wird, scheint den Vorständen noch nicht klar. Sehr schade.

  4. Christoph Franz hat das Totenglöckchen der Lufthansa geläutet; Carsten Spohr ist der Totengräber! Er trägt den letzten noch vorhandenen Rest der guten alten LH zu Grabe!

    • Norbert sagt

      Jau, die gute, alte LH gibt es nicht mehr, auch nicht die gute, alte Luftfahrt. Blöde Ryanair, blöde Emirates. Nur, die gibt es nun mal. Aber wer nicht kapiert, dass „die Zitrone ist noch nicht ausgequetscht“ sich auf den ganzen Konzern, die Prozesse, also auf alles bezieht, i.wes. für „kontinuierliche Verbesserung steht“, der WILL nicht verstehen. Es wird KEINEN Manager geben, der diesen eingeschlagenen Weg beendet.

      • Ingo Busch sagt

        Mag alles sein. Es gibt aber auch Manager, die eine höflichere, weniger menschenverachtende, Wortwahl an den Tag legen und nicht ihr komplettes Handeln dem „Shareholder Value“ unterordnen.

  5. Ilona Sch. sagt

    Diesen Kommentar kann man hernehmen und den Namen Lufthansa durch viele andere Firmennamen ersetzen! Es wird nicht mehr lange dauern und wir werden uns das Gejammer der Firmenbosse anhören müssen, warum und wieso es keine Mitarbeiter mehr gibt, die sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und nur noch „ohne Herz“ ihrer Beschäftigung nachgehen.

  6. Joachim Vázquez Bürger sagt

    Lieber Herr Busch,

    Chapeau! Ich habe selten einen externen Kommentar gelesen, der die gegenwärtige Situation so zutreffend widerspiegelt. Ihre Analyse trifft den Kern des Problems.
    Keine Frage, Lufthansa wird sich verändern müssen und mit ihr die Beschäftigten. Die Antwort auf den harten Wettbewerb kann sicher kein „weiter so“ sein, doch die Antwort der Verantwortlichen an der Konzernspitze, den Umbau gänzlich ohne Beteiligung der Mitarbeiter und unter Aufgabe der Sozialpartnerschaft umzusetzen, wird kurzfristig möglicherweise nur die Kapitalmärkte befriedigen.

    Doch man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass langfristig nicht nur Kunden und Mitarbeiter, sondern auch die Anteilseigner die Zeche für den kurzfristigen Renditeerfolg zahlen werden. Wer eine etablierte Marke wie „Lufthansa“ von innen aushöhlt, sie entkernt und nur das Gerüst stehen lässt, wird in Zukunft erkennen müssen, dass sie ohne den Kern nicht mehr in der Lage sein wird, ihr Markenversprechen zu halten. Qualität lebt von Mitarbeitern, die diese Qualität darstellen und Qualität ist ihren Preis wert.

    Sie schreiben zu Recht, dass fraglich sein wird, was „am Ende an der „Deutschen Lufthansa AG“ außer dem Firmensitz noch deutsch bleibt.“ Der Kunde weiß sehr gut zu unterscheiden, ob Qualität der Marke „Lufthansa“ echt „made in Germany“ ist oder hinter einem Scheinetikett nur noch Qualität vorgegaukelt wird. Kunden werden ein Premiumangebot weniger zur Auswahl haben, sich den Wettbewerbern zuwenden müssen, Anteilseigner werden bestenfalls schnell Kasse machen, treue Investoren um den Lohn ihres Invests gebracht und Mitarbeiter sich nicht mehr mit ihrem Unternehmen identifizieren wollen oder können, weil sie wie Zitronen ausgepresst und schließlich durch junges, billiges Obst ausgetauscht werden. Wer kann rettet sich in die Übergangs- oder Altersversorgung. Am Ende werden Management und Investoren erkennen müssen, dass Billigkopien wie „Eurowings“ ohne eine kritische Größe gegen die Originale „Ryanair“, „Vueling“ oder „Easyjet“nie eine echte Marktchance hatten, selbst die vermeintlich margenstarken Tochtergesellschaften wie Lufthansa Technik oder LSG SkyChefs keinen renditefähigen Eigenwert ohne ihre Kernmarke haben.

    Zu diesem Zeitpunkt wird die Managergeneration, die einst diese Entwicklung im Lufthansakonzern irreparabel eingeleitet haben, als wohlsituierte Pensionäre bei einem gepflegten Gläschen Champagner am Rande des Golfplatzes, den Untergang einer weiteren deutschen Traditionsmarke bedauern.

  7. In Kognito sagt

    Moin,
    Sehr sehr passend. Auch die Sitation der LHT. Was vielleicht noch erwähnenswert sein könnte, wäre der Umgang mit LHT-Azubi’s. Dort wird der größte Teil in die von LHT geschaffene Leiharbeitsfirma abgegeben, um Bedarfsgesteuert Personalengpässen oder Überhängen entgegen zu wirken. Man braucht in KW 35-40 kein Personal? Kein Problem! Können wir abmelden! So wird Personell zwar wirksam gesteuert, DENNOCH: Qualität leidet, Zeiten leiden, Motivation leidet. Das alles in einem sehr kritischen Bereich der Verkehrsindustrie. Gerade in der Luftfahrt wird doch höchste Fachkompetenz und Qualität erwartet, aus dem Aspekt der Sicherheit, für die Paxe, als auch unserer fliegenden Kollegen!

    Grüße vom Boden!

  8. Guter Text. Allerdings glaube ich nicht, daß es den LH Vorstand interessiert die Kollegen „mitzunehmen“.
    Auch ob Lufthansa als Marke oder nur noch als Hülle bestehen bleibt, dürfte den Leuten an der Spitze relativ egal sein, denn ganz gleich was auch passiert, sie können nicht verlieren, sondern nur gewinnen!
    Entweder LH bleibt erhalten, ist erfolgreich und macht Gewinne, dann profitieren sie.
    Passiert das Gegenteil & LH geht über kurz oder lang Pleite, dann passiert in diesen Etagen ebenso nichts. Im Gegenteil, man wechselt dann einfach in den Vorstand eines anderen Globalen Unternehmens, wahrscheinlich sogar noch mit guter Abfindung.
    Wozu sich also quälen & mit komplizierten Arrangements mit den Mitarbeitern ringen, wenn man doch so kurzfristig viel schneller höhere Boni bekommen kann & langfristig dann eben woandershin wechselt.

  9. Was für ein Artikel ! Ich stimme oben genanntent Kommentaren zu: Leider lässt sich dieser Artikel auch auf andere Firmen übertragen. So ist das wohl, wenn ein Unternehmen immer grösser wird und die Seele verliert. Dann geht es nur noch um Dividenden und Aktien, aber nicht mehr um Menschen und persönliche Ziele.

  10. Rüdiger Dach sagt

    Lufthansachef Carsten Spohr hat es nicht leicht, einen erfolgreichen Weg
    zwischen den staatssubventionierten Golflinien und den Billiganbietern wie
    Ryan Air und Easy Jet zu finden.
    Aus Verpflichtung gegenüber Black Rock und Co. , die ihm ins Amt verholfen
    haben und jetzt an die Rücklagen für Übergangsversorgung und Betriebsrenten
    wollen, Einsparungen nur bei den Beschäftigten zu suchen, ist sicher nicht der richtige Weg. Vor allem, wenn gleichzeitig keine Kosten gescheut werden, um seinen
    Bruder als Flugbetriebsleiter von Eurowings zu etablieren.
    Dies zeugt nicht von unternehmerischer Weitsicht und Ideenreichtum.
    Ein erstklassiges Produkt mit zweit – und drittklassigem Billigpersonal
    produzieren zu wollen, wird scheitern.
    Er hat es geschafft, ein erstklassiges Personal ( in allen Betriebsteilen: Cockpit,
    Kabine und Boden ) , das ehemals hoch motiviert war und sich voll mit dem
    Unternehmen identifiziert hatte ( “Wir Lufthanseaten “ ), durch jahrelange
    Verschleppung von Tarifabschlüssen auf sämtlichen Tariffeldern in allen
    Betriebsteilen mit zum Teil unsäglichen Tricks zu demotivieren und in die
    innere Emigration zu treiben.
    Das tut jedem Ehemaligen sehr weh.

    Rüdiger Dach,
    ehemaliger Flugkapitän LH

  11. Machen wir uns nichts vor, Spohr ist zwar der Totengräber der LH; das Totenglöckchen wurde aber schon von seinen Vorgängern (ein-)geläutet.
    Als die LH noch ein Unternehmen war, waren wir „die Lufthanseaten“.
    Dann begann die Zersplitterung und die Ausgliederung! Das war bereits der Anfang vom Ende!
    Stete Versuche, „die Zitrone noch weiter auszuquetschen“ führten zu immer neuen Unternehmensgründungen. Um nur ein Beispiel zu nennen: zuerst gründete man die LH-Technik. Die wiederum gliederte das Lager- und Materialwesen aus, in eine 100%-Tochter, der LUFTHANSA-TECHNIK-LOGISTIC (LTL) aus. Dies reichte aber nicht. Neue Mitarbeiter und Mitarbeiter die sich auf eine interne Stellenausschreibung bewarben, wurden in eine neue, noch billigere Tochter der LTL, der neu gegründeten LUFTHANSA-TECHNIK-LOGISTIC-SERVICE (LTLS) zu deutlich schlechteren Bedingungen transferiert bzw. eingestellt. Heute existiert nur noch die Billigtochter LTLS.
    Fazit: Jeder Arbeitgeber bekommt das, wofür er bezahlt!

  12. Peter H. sagt

    Danke für Ihre Ausführungen, die den Nagel in allen Details auf den Kopf treffen. Was aus dem einstmaligen Vorzeigeunternehmen mit weltweitem Renommé bereits geworden ist, ist schon erschreckend – und wenn man sieht, wo die Reise des Managements noch hingehen soll, wird es noch schlimmer.

  13. Auf den Punkt gebracht!

    Vielen Dank für die saubere, profunde Zusammenfassung der Sachlage, als auch für die verbale Entflechtung der verwirrenden Zustände, welche ein ehemals grundsolides deutsches Unternehmen gerade durchleidet. Ihr Beitrag hilft, den roten Faden nicht zu verlieren was die Einordnung der Vorgänge angeht.
    Sehr gut recherchiert und der Blick auf das Geschehen offensichtlich und fühlbar erfüllt vom gesunden Menschenverstand.
    Absolut wohltuend.

    Grüße aus dem Rheinland!

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