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Lufthansa (Streik-) Lexikon

Die Lufthansa-Hauptverwaltung in Köln

Dieses Lufthansa (Streik-) Lexikon soll dazu dienen, kurz und knapp die Begrifflichkeiten rund um Lufthansa und den Streiks der Flugbegleiter und Piloten in letzter Zeit, sowie zukünftig (?) der Boden-Mitarbeiter der Lufthansa zu erklären. Das Lexikon erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wird jedoch nach und nach erweitert und aktualisiert.
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Letztes Update: 10.11.2015, 16:30 Uhr

Agenda Kabine

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Altersversorgung

Umgangssprachlich ist das die Betriebsrente. Diese dient als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung. Bis zur Privatisierung der Lufthansa im Jahre 1993 war dies die VBL. Im Rahmen der Privatisierung wurden den Mitarbeitern eine neue Alterversorgung mit fester Rendite versprochen. Diese Altersversorgung will Lufthansa abschaffen. Alle Beschäftigungsgruppen (Boden, Kabine und Cockpit) wehren sich dagegen. Der Tarifvertrag zur Altersversorgung wurde einseitig durch Lufthansa zum 31.12.2013 gekündigt.

Arbeitszeit

Arbeitszeit ist die Zeit, die man als Arbeitnehmer auf der Arbeit, abzüglich Pausen, verbringt und auch bezahlt bekommt. Die maximal erlaubte tägliche Arbeitszeit ist im Arbeitszeitgesetz geregelt. Dieses gilt jedoch für Flugzeugbesatzungen (also Kabine und Cockpit) nicht. Daher „dürfen“ diese auch länger als die gesetzlich maximal erlaubten 10 Stunden pro Tag arbeiten.

Baublies, Nicoley

Baublies ist der stets höfliche Vorsitzende der UFO. Selbst rüdeste und sehr beleidigende Angriffe in sozialen Netzwerken lässt er an sich abperlen und kontert diese humorvoll und – immer – höflich. Vermutlich war er in einem früheren Leben Stoiker 😉

Über zwei Jahre hat er sich in zähen Verhandlungen mit dem Lufthansa-Vorstandbemüht eine Einigung über die Übergangs- und Altersversorgung für die Mitarbeiter der Kabine zu erreichen. Aber auch der Geduldsfaden eines Nicoley Baublies reißt irgendwann. Konsequenz: Der Streik der Flugbegleiter und Purser vom 6.11.2015 bis zum 13.11.2015.

Die Süddeutsche Zeitung hat ihm zum Auftakt des FlugbegleiterStreiks vom 6.11.2015 ein umfangreiches Portrait gewidmet.

Blockzeit

Ist die Zeit, in der das Flugzeug nicht am Boden steht. Genauer: Wenn das Flugzeug die Parkposition verlässt, ist es „off block“. Wenn es nach dem Flug wieder auf der endgültigen Parkposition steht, ist es „on block“. Die Differenz zwischen „off block“ und „on block“ ist die Blockzeit.

Das fliegende Personal wird nur für die Blockzeit vergütet! D.h. jede Verspätung am Boden ärgert nicht nur die Passagiere, sondern auch die Crew. Die in der Wartezeit ausgeschenkten Getränke, der Champagner zur Begrüßung in der Business Class – all das machen die Flugbegleiter in ihrer „Freizeit“!

Auch die Fahrt vom und zum Crewhotel, das Briefing, die Vorbereitungen an Bord und das Boarding: Alles findet in der „Freizeit“ der Flugbegleiter und Purser statt. Gilt natürlich auch fürs Cockpit 😉 Diese nicht als Blockstunden vergütete Zeit ist mit dem Grundgehalt abgedeckt.

Derzeit wird bei Lufthansa in der Kabine 70 Block-Stunden pro Monat bei einem Vollzeit-Arbeitsvertrag gearbeitet und vergütet. Alles darüber hinaus, bis zu 87 Blockstunden im Monat, sind Überstunden. Jeder Passagier kann sich an fünf Fingern ausrechnen, wie viele Stunden man als Crew seiner „richtigen“ Zeit investieren muss, um auf 70 Blockstunden pro Monat zu kommen…

Boden

Als Boden werden alle Mitarbeiter des nicht-fliegenden Personals bezeichnet. D.h. Technik / Flugzeugwartung, Check-In-Personal, Verwaltung und die Mitarbeiter der Catering-Tochter LSG SkyChefs. Die Mitarbeiter am Boden werden überwiegend durch Verdi gewerkschaftlich und in Tarifverhandlungen vertreten.

Cockpit

Die Mitarbeiter im Cockpit sind die Piloten. Diese sind entweder Kapitäne oder First Officer (F/O, auf deutsch: Erster Offizier). Bei Lufthansa gibt es auch noch den Senior First Officer (SF/O). Dieser wurde von Lufthansa ersonnen, um bei sehr langen Flügen den zweiten Kapitän an Bord zu sparen. Ein SF/O ist einfach billiger als ein Kapitän. Die meisten anderen Airlines kennen dieses Sparkonstrukt nicht. Die Piloten werden überwiegend durch die Vereinigung Cockpit gewerkschaftlich und in Tarifverhandlungen vertreten.

Eurowings

Die Eurowings flog ursprünglich auf den Regionalstrecken der Lufthansa in deren Auftrag. Mit der „neuen“ Germanwings flog die Eurowings im Auftrag des Lufthansa-Billigfliegers. Leider war damit die Zitrone noch nicht genug ausgequetscht und so ging der bisherige Flugbetrieb der Germanwings zum 25.11.2015 auf die Eurowings über.

Die Mitarbeiter der Eurowings in Kabine und Cockpit unterliegen nicht den Konzerntarifverträgen der Lufthansa und stellen somit – aus finanzieller Sicht – das fliegende Prekariat innerhalb des Lufthansa-Konzerns dar.

Ebenfalls mit Aufnahme des Winterflugplans 2015 startete Eurowings auf der Langstrecke. Verschiedende „Warmwasserziele“ werden von Köln/Bonn aus angeflogen. Allerdings nicht mit Lufthansa-/Germanwings-/Eurowings-Personal. Denn anders als beim „Jump“-Konzept werden die Airbus A330 komplett durch die SunExpress bereedert. Es steckt nicht Eurowings drin, wo Eurowings drauf steht. Ob es an dieser seltsamen Konstruktion liegt, dass auf einem Testflug am 20.10.2015 eine Triebwerks-Verkleidung verloren wurde, sei dahin gestellt. Vertrauen schafft dieser Zwischenfall nicht.

Flottenanpassung

Mit Flottenanpassung verbrämt das Lufthansa-Management ihre Pläne, weitere Flugverbindungen an ihre Billig-Tochter Eurowings zu übertragen. Das man damit evtl. auch zu viele Piloten und Flugbegleiter in der Lufthansa haben könnte und diesen kündigen wird, verschweigt der Lufthansa-Vorstand lieber.

Flugbegleiter

Umgangssprachlich: Stewardessen & Stewards; englisch: Flight Attendants. Ihre primäre Aufgabe besteht nicht darin Tomatensaft und andere Getränke an Bord auszuschenken. Die Aufgabe der Flugbegleiter besteht vielmehr daraus, für die Sicherheit an Bord zu sorgen. Dazu gehört im Notfall das Flugzeug so schnell wie möglich zu evakuieren, evtl. Brände an Bord zu löschen oder bei medizinischen Notfällen zu helfen. Die Flugbegleiter unterstehen dem leitenden Flugbegleiter, auch Purser genannt.

Daher sollte sich jeder genau überlegen, ob er weiterhin Flugbegleiter als „Saftschubsen“ titulieren mag. Es ist eher eine Beleidigung als eine scherzhafte Bezeichnung für Menschen, die für die Sicherheit anderer Menschen da sind.

Flugdienstzeit

Die Flugdienstzeit der Crews beginnt mit dem Briefing und endet mit der Nachbearbeitung nach dem letzten Flug. Die maximale Flugdienstzeit ist u.a. in gesetzlichen Bestimmungen (JAR-OPS) geregelt. Eine Obergrenze für die maximale Flugdienstzeit sind z.B. 14 Stunden. Alles darüber hinaus bedarf eines „Kommandanten-Entscheids“. Jedoch kann der Kapitän nicht ohne Rücksprache mit jedem einzelnen (!) Crew-Mitglied die Flugdienstzeit im Einzelfall verlängern.

Franz, Christoph

Sein beruflicher Werdegang startete er 1990 bei Lufthansa. Dort war er von 1992-1994 der „Kofferträger“ des damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber. Da er jedoch schneller Karriere machen wollte, wechselte er 1994 zur Deutschen Bahn. Nach 9 Jahren wurde er dort wegen der verkorksten Einführung eines neuen Preissystems gefeuert.

Er fiel jedoch weich und übernahm 2004 die Position des CEO bei der Swiss. Mittlerweile in den Lufthansa-Vorstand aufgerückt übernahm er Anfang 2011 den Vorstandsvorsitz bei der Lufthansa. Dort legte er zusammen mit seinem Nachfolger Spohr das Sparprogramm „Score“ auf.

Irgendwie machte ihm der Job als Lufthansa-CEO wahrscheinlich nicht sehr viel Spaß. Fortune hatte er auch nicht. Und so verließ er die Lufthansa zum 30.April 2014. Natürlich mit einem goldenen Handschlag in Höhe von 1,57 Millionen Euro. Er ist jetzt Verwaltungsrats-Vorsitzender beim Schweizer Pharmakonzern Roche. Da verdient er bestimmt noch mehr Geld…

Germanwings

Gegründet wurde die Germanwings als Billig-Ableger der Lufthansa. Ab 2012 wurden nach und nach sämtliche Lufthansa-Strecken, die nicht von oder nach München oder Frankfurt starten, auf die Germanwings übertragen. Einzige Ausnahme waren die Langstrecken-Flüge ab Düsseldorf. Als die Germanwings das erste Mal einen Gewinn erwirtschaftete, wurde Ende 2014 vom Lufthansa-Vorstand und -Aufsichtsrat die Entscheidung gefällt, mit Beginn des Winterflugplans 2015 die Germanwings langsam sterben zu lassen und alle Strecken auf die Eurowings zu verlagern. Es musste ja irgendwie noch billiger gehen.

Jump-Konzept

Um möglichst billige Flüge zu „Warmwasserzielen“, z.B. Tampa, scheinbar unter der Flagge der Lufthansa anzubieten zu können, hat sich der Vorstand ein ganz trickreiches Konstrukt einfallen lassen: Man nehme gut abgehangene und bereits abgeschriebene Airbus A340-300, baue die First Class aus und verkleinere die Business Class. Dazu leihe man sich eine Lufthansa-Crew aus, die sich freiwillig für diese Einsätze meldet. Freiwillig deshalb, da der Purser 2 voll im Service mitarbeiten muss und nur mit der gesetzlich vorgeschriebenen Anzahl an Flugbegleiter geflogen wird. Eine extrem hohe Arbeitsbelastung für Purser und Flugbegleiter als konzern-interne Leiharbeiter!

Das ganze wird dann zum Teil mit einer Cockpit-Crew der Lufthansa CityLine verziert. Cityline? Richtig, Piloten der Cityline, die bisher nur Regional-Flugzeuge flogen, werden auf den Airbus A340 gesetzt. Dies geschieht, weil die Cityline-Piloten nicht dem Konzerntarifvertrag unterliegen und somit billiger sind. Es können aber auch Piloten der Privat Air sein…

Also Eurowings-Langstrecke Light. Und trotzdem nicht mit Kranich am Heck. Denn der darf laut Manteltarifvertrag nur auf Flugzeugen zu sehen sein, deren Cockpit-Crews dem Konzerntarifvertrag unterliegen.

Kabine

Die Mitarbeiter der Kabine sind die Flugbegleiter und Purser. Die Flugbegleiter und Purser werden überwiegend durch die Unabhängige Flugbegleiter Organisation gewerkschaftlich und in Tarifverhandlungen vertreten.

Purser

Sind die „Chef de Cabine“. Bei der Swiss auch „Maître de Cabine“ genannt. Der Purser ist der ranghöchste Flugbegleiter an Bord eines Flugzeuges. In den europäischen gesetzlichen Bestimmungen (JAR-OPS) wird der Purser als „Leitender Flugbegleiter“ bezeichnet. Der Purser ist quasi der Vorgesetzte der Flugbegleiter an Bord und untersteht dem Kapitän.

Lufthansa kennt zwei Arten von Pursern:

  • Purser 1 (P1): Dieser ist der leitende Flugbegleiter an Bord von Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeugen. Auf Langstrecken- bzw. Großraum-Flugzeugen arbeitet der P1, wie auf allen seinen Flügen, an Bord im Service mit. Der P1 untersteht dem P2 und ist dessen Stellvertreter.
  • Purser 2 (P2): Dieser ist auf Langstrecken- bzw. Großraum-Flugzeugen der leitende Flugbegleiter. Ihm unterstehen die P1 sowie alle anderen Flugbegleiter. Der P2 arbeitet üblicherweise nicht im Service mit.

Da Lufthansa anscheinend einen großen Mangel an Purser 2 hat bzw. man noch etwas mehr aus der Zitrone herausquetschen möchte, kommt es immer wieder vor, dass an Bord von Langstreckenflügen kein Purser 2 mit an Bord ist. Ob das förderlich für die Sicherheit an Bord ist, mag dahin gestellt sein. Es läuft aber den Vereinbarungen des Manteltarifvertrages (MTV2) entgegen.

Score

Ein Sparprogramm der Lufthansa. Intern spöttisch „scare“ genannt. Score soll die Kosten in allen Unternehmensbereichen signifikant senken. Auf Biegen und Brechen. Die Mitarbeiter erfuhren von Score seinerzeit zuerst aus der Presse. Vor dem Start von Score hat sich der Vorstand jedoch zuerst selber die Gehälter erhöht.

Spohr, Carsten

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende der Lufthansa. Er ist Nachfolger von Christoph Franz. Genau wie er war er mehrere Jahre der Kofferträger von Jürgen Weber. Er hat jedoch nicht nur die Koffer anderer getragen, sondern auch sein persönliches Flight-Kit, da er u.a. auch Kapitän auf dem Airbus A320 war.

Seit seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender der Lufthansa macht er viel von sich reden, weil er mit keiner Gewerkschaft eine Einigung zustande bekommt. Das schafft nicht jeder CEO eines deutschen Unternehmens! Der Einfluss von externen (z.B. McKinsey) Beratern auf die Entscheidungen des Lufthansa-Vorstandes nehmen unter seinem Vorsitz stetig zu. Ebenso lässt er sich und seinen Vorstand durch die „Union Buster“ des Schranner Negotiation Institute beraten.

Streik

Streik ist das verfassungsmäßig (ergibt sich aus Art. 9, Abs. 3 GG) garantierte (Grund-) Recht eines Arbeitnehmers, die Arbeit nieder zu legen. Der Streik ist das schärfste Schwert der Arbeitnehmer in einer (tariflichen) Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber. Leider wurde das Streikrecht in letzter Zeit durch Gerichte und durch Politiker (diese beschlossen das „Tarifeinheitsgesetz“) immer mehr eingeschränkt und ausgehöhlt.

Streik, längster in der Geschichte der Lufthansa

1971 kam es zum längsten Streik in der Geschichte der Lufthansa, als die Gewerkschaft ÖTV (eine der Vorgängergewerkschaften von Verdi) für 10 Tage die Beschäftigten des Bodens zum Streik aufrief. Der Streik führte dazu, dass der Münchner Schickeria die Austern ausgingen 🙂

Sunexpress

Ist ein 50:50 Joint-Venture der Lufthansa und der Turkish Airlines. Ursprünglich gegründet, um touristische Flüge von und in die Türkei anzubieten. Die Sunexpress selber ist eine türkische Fluglinie. Die deutsche Tochter Sunexpress Deutschland ist jedoch in Frankfurt beheimatet. Diese deutsche Sunexpress bereedert im Auftrag von Eurowings die Langstrecken-Flugzeuge vom Typ A330.

Pikant ist, dass Lufthansa und Turkish Airlines vor nicht allzu langer Zeit gegenseitig ihre Codeshare-Vereinbarungen aufgekündigt haben. Lufthansa vor allem, weil sie in der Turkish Airlines einen erstarkenden Konkurrenten sieht, der der Lufthansa ähnlich wie Emirates, Etihad und Co. das Leben schwer macht.

Trotzdem setzt der Lufthansa-Vorstand für die Eurowings-Langstrecke auf eben jene SunExpress, bei der die Turkish Airlines als Konkurrent mit verdient. Die Logik dürfte auch nur schwer zu vermitteln sein.

Übergangsversorgung

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UFO

Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation vertritt die Interessen der Kabine. „Chef“ der UFO ist Nicoley Baublies und damit einer der Verhandlungs-„Gegner“ von Carsten Spohr. UFO hat (Stand 10.11.2015) über zwei Jahre versucht mit Lufthansa über die Altersversorgung und die Übergangsversorgung, sowie 21 weitere Punkte der „Agenda Kabine“ zu verhandeln. Leider ergebnislos, so dass am 6.11.2015 zu einem, zunächst auf 8 Tage angelegten, Streik der Flugbegleiter und Purser aufgerufen wurde, um die Lufthansa zu einer Einigung über die Altersversorgung und die Übergangsversorgung zu bewegen. Dieser Streik ist, anders als es viele Medien berichten, nicht der längste Streik der Lufthansa-Geschichte.

Verdi

Ist u.a. aus der ÖTV und der DAG entstanden. Beide ursprünglichen Gewerkschaften vertraten traditionell die Interessen der Lufthansa-Mitarbeiter. Verdi vertritt heutzutage überwiegend die Interessen der Lufthansa-Mitarbeiter am Boden.

Aktuell verhandelt Verdi u.a. mit der Lufthansa über einen neuen Tarifvertrag zur Altersvorsorge. Aber ähnlich wie bei UFO und Vereinigung Cockpit scheint der Lufthansa-Vorstand an einer schnellen Einigung nicht interessiert. Ein Streik des Bodenpersonals ist immer wahrscheinlicher.

Vereinigung Cockpit

Die VC ist die Interessensvertretung der Piloten, nicht nur bei Lufthansa. Die VC ist auch Tarifpartner bei Lufthansa und vertritt bei Tarifverhandlungen die Interessen der bei Lufthansa beschäftigten Piloten.

Ähnlich wie bei den Kollegen der Kabine, und deren Gewerkschaft UFO, bemüht sich VC seit langer Zeit um eine Einigung mit dem Lufthansa-Vorstand über die Alters- und Übergangsversorgung zu erzielen. Bisher ohne Erfolg, obwohl bisher 13 Mal durch die Piloten gestreikt wurde. Zuletzt hat die Lufthansa die Streiks der Piloten gerichtlich verbieten lassen. Die Vereinigung Cockpit hat dagegen Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt.

Vergütung

Auch als Gehalt bezeichnet. Lästiges Übel aus Sicht der meisten Manager. Mitarbeiter verlangen regelmäßig eine Vergütung für die geleistete Arbeit. Dabei könnte der Unternehmensgewinn viel höher ausfallen, wenn die Vergütung gekürzt oder sogar ganz gestrichen würde 😉 Dieses gilt jedoch nicht für die Vergütung der Manager. Diese können gar nicht hoch genug sein. Sehr beliebt: Vor der Ankündigung eines Sparprogramms zuerst die Manager-Gehälter erhöhen. So lässt sich die Zitrone noch besser ausquetschen 🙂

Zitrone, ausgequetschte

Ein sprachliches Bild, welches Christoph Franz bei seinem Abschied von der Lufthansa in die Manager-Sprache eingeführt hat:

„Ich glaube nicht, dass wir die Zitrone bereits ausgequetscht haben.“

Da schon im April 2014 keine Einigung mit Vereinigung Cockpit und UFO über eine Neuregelung der Alters- und Übergangsversorgung gefunden werden konnte, muss sich dieser Ausspruch des Herrn F. wohl auf die Mitarbeiter bezogen haben. Sein Nachfolger Spohr ist weiterhin mit dem Ausquetschen der Zitrone beschäftigt. Das finden die Mitarbeiter nicht lustig. Warum wohl?

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10 Kommentare

  1. Thomas Hofmeister sagt

    ZUP ! Zuverlässigkeitsüberprüfung. Eine Erfindung nach dem elften September. Jedes Personal das in einem Sicherheit empfindlichen Bereich arbeitet muss sich einer ZUP unterziehen und wird überprüft. Ohne positive ZUP kann man nicht fliegen und sollte man etwas anstellen im Privatleben, kann man seine ZUP verlieren. Das führt zu einer Kündigung. Die Kriterien was zum Verlust führen kann sind nicht transparent. Es gibt also keinen Katalog, was zu einem Verlust führen kann. Es wird von einem Amt in Düsseldorf entschieden. Darauf hat der Arbeitgeber keinen Einfluss. Sobald einem ein Verfahren anhängt, bekommt man Post von der Stelle in Düsseldorf und muss Stellung nehmen. Dann wird über die Zuverlässigkeit entschieden. Jeder Flugbegleiter muss sich auch regelmässig, ich glaube alle 2 oder 4 Jahre einer Überprüfung unterziehen. Eine Möglichkeit wäre, das man z.B. in eine Schlägerei gerät und als schuldig für Körperverletzung gesprochen wird. Man kann jedoch vielleicht auch wegen nicht Zahlung von Unterhalt angezeigt werden. Das kann alles zum Verlust der ZUP führen. Bitte jedoch selbst das noch Mal recherchieren. Auch jemand der vor Jahren einen Fehler gemacht hat und verurteilt wurde, wird wahrscheinlich nie eine positive ZUP bekommen.

  2. „Das fliegende Personal wird nur für die Blockzeit vergütet!“
    „Die in der Wartezeit ausgeschenkten Getränke, der Champagner zur Begrüßung in der Business Class – all das machen die Flugbegleiter in ihrer „Freizeit“!“
    „Diese nicht als Blockstunden vergütete Zeit ist mit dem Grundgehalt abgedeckt.“

    Also, meine Freizeit wird nicht mit einem Grundgehalt vergütet.

    Ich kann nicht beurteilen, inwieweit der Streik gerechtfertigt ist oder nicht, dafür kenne ich mich zu wenig mit den Hintergründen aus. Aber das, was unter Blockzeit steht, wirkt für mich auch nicht wie Information, sondern wie Meinungsmache.

    • Ingo Busch sagt

      Lieber Doro,

      ich weiß nicht, welchen Beruf Du ausübst. Aber nehmen wir mal an, Du würdest in einem Büro arbeiten. Wie toll fändest Du es, wenn Du zwar acht Stunden im Büro anwesend sein müsstest, jedoch nur Gehalt erhältst, wenn Du ein Telefonat führst, oder gerade eine Email schreibst? Ich denke, dann würdest Du max. 4 Stunden am Tag produktiv arbeiten und nur dafür Gehalt bekommen. Trotzdem müsstest Du weitere 4 Stunden „Freizeit“ investieren. So ungefähr muss man sich das System der vergüteten Blockstunden vorstellen!

      Im Übrigen streiken die Flugbegleiter im aktuellen Streik (6.-13.11.2015) für die Tarifverträge über die Alters- und Übergangsversorgung, die einseitig durch die Lufthansa aufgekündigt wurden.

      • Lieber Ingo,
        wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es über die Blockstunden hinaus ein Grundgehalt, also wird die „Freizeit“ ja bezahlt.
        Abgesehen davon hängt es ja auch von der Höhe der Bezahlung ab. Wenn ich für vier Stunden Arbeit je Stunde 100 Euro erhalte und dafür 8 Stunden im Büro sitzen muss, würde ich zuschlagen. 😉

          • Vom gehalt sind viele Berufsgruppen nicht in Rosen gebettet… Aber vergleicht man sie mal
            Mit dem Gastrogewerbe oder zugbegleitern geht es Ihnen denke nicht viel schlechter. Und diese Berufsgruppen gehen mit Sicherheit auch nicht mit 55 in Ruhestand

      • So kann man das denke auch nicht sehen. Wieviele arbeiten für ein fixes Gehalt und bekommen die Überstunden nicht bezahlt? LKW Fahrer zB werden u.a. Pro abgeladener Palette bezahlt. Wenn sie bei einem Kunden für den LKW 6h brauchen und bei dem anderen 3, wem sein Problem ist das? Und werden LKW Fahrer mit 55 in Ruhestand geschickt und bekommen noch 10 Jahre ihr Gehalt? Nein! Wieviele flugsegmente hat ein Flugbegleiter im Monat? Die ich kenne arbeiten 5-10 Tage und den Rest haben sie frei. Wieviel arbeitet ein LKW Fahrer? 21,3 im Schnitt pro Monat… Wieviel arbeitet ein Büro Angestellter? 21,3 im Schnitt. Also beschwert euch mal nicht. Wer geht schon mit 55 in Ruhestand bei vollen Bezügen?

  3. Es steckt nicht Eurowings drin, wo Eurowings drauf steht. Ob es an dieser seltsamen Konstruktion liegt, dass auf einem Testflug am 20.10.2015 eine Triebwerks-Verkleidung verloren wurde, sei dahin gestellt. 

    Totaler Quatsch, durch solche polemischen Statements, disqualifiziert sich der komplette Bericht, schade!

    • Ingo Busch sagt

      Lieber JR,

      Du wirst verstehen, dass ich Deine Meinung nicht zwingend teilen muss. Ich nehme sie aber sehr wohl zur Kenntnis.

      Natürlich steckt auch ein wenig Ironie in allem, was ich hier schreibe. Dennoch sollte man bei der verlorenen Triebwerks-Cowling auch mal die Fakten sprechen lassen: Was ist also passiert? Eine Cowling löst sich bereits während des Starts vom Flugzeug. Zum Glück ist nichts ernsthaft passiert. Die Cowl hätte aber auch in die Tragfläche oder das Höhenleitwerk einschlagen können. Das hätte bös enden können. Stellt sich nun die Frage, wie kann es dazu kommen? Ganz einfach: In allen Fällen in den letzten Jahren, bei denen ein Airbus eine Triebwerks-Cowling verloren hat, war diese nicht richtig verschlossen und verriegelt. Normalerweise fällt eine nicht ordnungsgemäß verschlossene und verriegelte Cowling auf. Zuerst sollte sie dem Mechaniker auffallen, dann dem Piloten, der den Outside-Check durchführt, und zu guter letzt könnte sie dem Schlepper-Fahrer auffallen. Daher – und das ist nun Spekulation (!) – halte ich es im Rahmen des Vorstellbaren, dass Technik und Piloten noch nicht so vertraut waren mit dem für sie neuen Fluggerät, dass schlicht Fehler passiert sind. Und das bei einer Lufthansa Flight Crew so ein Fehler eher nicht passiert wäre.

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