Grounding der Air Berlin – ein Jahr später

Lufthansa Airbus A320 und Airberlin Boeing 737 auf dem Flughafen Köln-Bonn (Symbolbild)
Lufthansa Airbus A320 und Airberlin Boeing 737 auf dem Flughafen Köln-Bonn (Symbolbild)

Auf den Tag genau vor einem Jahr stellte Air Berlin den Flugbetrieb unter eigener Flugnummer für immer ein. Der letzte Flug (AB6210) mit dem Rufzeichen „BER4EVR“ flog von München nach Berlin-Tegel. Danach war Feierabend für die damalige Nummer Zwei in Deutschland nach der Lufthansa. Aus, Ende und vorbei…

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Für die Mitarbeiter war dies ein sehr emotionaler Moment, war doch ungewiss, wie es für sie weitergehen würde. Für die meisten von ihnen führte der Weg erst einmal in die Arbeitslosigkeit. Wenige Airberliner flogen noch neun Wochen weiter, allerdings im Wetlease für Eurowings. Dann fiel auch für die letzten 13 Airbus A320 und deren Crews die letzte Klappe.

Was danach folgte, ist längst bekannt: Die Lufthansa sicherte sich für ihre Lowcost-Tochter Eurowings einen Großteil der Kurz- und Mittel-Strecken-Flotte, sowie der Slots. Ein anderer Teil ging an Easyjet und die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki wurde an Niki Lauda verkauft. Niki fliegt jetzt unter dem Namen Laudamation und diese gehört mehrheitlich dem irischen Billigflieger Ryanair.

Dass turbulente Zeiten auf die Passagiere zukommen würden war klar. Dennoch betonten die Airline-Vorstände unisono, dass mit dem Sommerflugplan alles gut würde. Nun, es kam anders. Der Sommer war – auch durch Fluglotsen-Streiks in einigen europäischen Ländern – geprägt von Verspätungen und Flug-Ausfällen. Eurowings, als „Haupterbin“ der ehemaligen Air-Berlin-Flotte, schaffte gerade nicht das Unmögliche: Die Flotte in den eigenen Flugbetrieb zu überführen und in der Kürze der Zeit genügend Personal zu rekrutieren. Das hatte sich Carsten Spohr, CEO der Lufthansa, anders vorgestellt. Aber dies ist eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Auch die anderen Airlines, die die Lücke, die Air Berlin hinterließ, füllen wollten, bekleckerten sich nicht mit Ruhm. Egal ob sie Lufthansa, Ryanair / Laudamotion oder Easyjet heißen. Wiederum andere Airlines haben sich ganz offensichtlich vollkommen übernommen und schlitterten ebenfalls in die Pleite: Allein in den letzten Wochen bzw. Monaten legten Small Planet Airlines und Azur Air in Deutschland, ebenso wie die skandinavische Primera Air, eine finanzielle Bauchlandung hin. Letztere Airline hatte noch kurz vor der Pleite angekündigt ab dem kommenden Frühjahr Flüge von Deutschland nach Nordamerika anzubieten.

Ein „Luftfahrt-Gipfel“ sollte einen Weg aus Zuverlässigkeits-Misere der deutschen Luftfahrt aufzeigen. Doch außer heißer Luft und einer Menge gedroschener Phrasen ist dabei nichts Konkretes herausgekommen, wie Karl Born sehr treffend kommentiert.

Für mich bleibt nur, zuversichtlich zu bleiben, dass sich die Lage über den Winter weitgehend normalisiert. Und dass vor allem endlich eine Insolvenzausfall-Versicherung für Airlines verpflichtend wird. Denn neben den eigenen Angestellten sind die Hauptleidtragenden jeder Airline-Pleite die Passagiere. Nicht nur, dass sie mitunter irgendwo im Ausland stranden, sie stehen auch mit einem über Nacht wertlos gewordenen Flugticket sprichwörtlich im Regen. Und wenn nicht gerade eine Bundestagswahl vor der Türe steht, interessiert eine bevorstehende oder tatsächliche Airline-Pleite die Politik meistens herzlich wenig.

Kleiner Nachtrag: Eines sollten die ganzen Air-Berlin-Fans nicht vergessen: Dass es um die Airline finanziell nicht gut bestellt war, wusste so gut wie jeder. Gerade die Vielflieger. Hätte nicht ebenjene Etihad, welche den Berlinern den Geldhahn abdrehte, nicht ein ums andere Mal Geld nach Deutschland überwiesen, wären die Lichter am Saatwinkler Damm in Berlin schon Jahre früher ausgegangen.

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